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Günter Schröder
Zugriffszähler seit 3.11.2001 / 4.06.2008

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Beitrag aus Band 1 der gelben Zeitzeugen-Buchreihe "Seemannsschicksale"
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Günter Schröder (verstorben) wurde am 1. Mai 1940
in Bresinke in Hinterpommern geboren und verstarb am 16.06.2006 auf einer Fahrradtour in Portugal. Eigentlich hätte er
Hoferbe werden sollen, nachdem der Vater nach drei Töchtern
endlich seinen Stammhalter bekam. Aber Hitlers verlorener Krieg
bestimmte ihm einen anderen Weg mit Flucht und Verlust der
Heimat. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den
Kochberuf. Um die Jahreswende 1957/58 kam Günter nach Hamburg,
um zur See zu fahren. Er wohnte vorübergehend bei Verwandten:
Sein Vetter fuhr damals als 1.Nautischer Offizier zur See.
„Da ich von der „Kocherei“ die Schnauze voll hatte, wollte
ich, wie mein Cousin, ebenfalls die Deckslaufbahn einschlagen und
stieg also auf einem Kümo als Decksmoses ein. Auf diesen
kleinen Schiffen war es immer so, dass der Moses die
Kombüsenarbeit machen mußte. Auf den Küstenmotorschiffen
konnten von den etwa sechs Crewmitgliedern alle schlecht und
recht ein Essen zusammenschustern. Bereits damals gab es also
schon so etwas wie Mehrzweckeinsatz, denn auch Kapitän,
Steuermann und Matrose mussten neben ihrer Brücken- oder
Decksarbeit auch ohne entsprechende Ausbildung die Maschine
warten können. Durch meine Fachkenntnisse als Koch war ich
sozusagen „King“ auf diesem „Schlickrutscher“, denn es
kam wohl kaum mal vor, dass ein anmusternder Moses gelernter Koch
war. Nach der ersten Fahrzeit auf besagtem Kümo wohnte ich in
Hamburg-Altona in der Großen Elbstraße nahe am
berühmten Fischmarkt im Seemannsheim. Dort ganz in der Nähe
war damals noch der Fischereihafen. Eines Tages, es war im
Jahre 1958, kam Seemannspastor Kiseritzky zu
mir, und besabbelte mich, auf einem Fischereifahrzeug vom Typ
„Seitenklatscher“, wie die Seeleute ihn nannten, als
jüngster Vollkoch der deutschen Flotte einzusteigen. Diese
Schiffstypen, bei denen die Scheerblöcke und das Netz auf der
Steuerbordseite weggehievt wurden, sind schon lange ausgestorben,
man findet sie heute nicht mal mehr in Schiffsmuseen. Mir war
damals schon bekannt, dass die „Fischdampferfahrer“ nicht
mit Frachtschiffseeleuten zu
vergleichen waren und ein besonders raues „Volk“ darstellten.
Man muss aber wissen, dass es an Bord dieser Fischereischiffe
arbeitsmäßig sehr sehr hart zuging. Ich kam also mit
gemischten Gefühlen und zitternden Knien an Bord und blieb dort
auch nicht lange, aber über diese Zeit könnte ich ein kleines
Buch schreiben! Die Fahrt ging also zu den Fangplätzen. Auf
Herings- oder Frischfischfang wurde Tag und
Nacht gearbeitet, bis das Schiff voll beladen war. Ich habe
selbst gesehen, wie Matrosen, aber auch die Brückenwache,
Kapitän und Steuermann vor Müdigkeit plötzlich umkippten. Erst
bei der Heimreise konnte sich die Besatzung, mit Ausnahme der
Wachgänger, die im Vierstundenrythmus arbeiteten, wieder richtig
ausschlafen. Für mich als Koch, aber auch für meinen
Kochsmaaten begann nun neben dem täglichen Kochen ein besonderes
„Klar-Schiff“ -Machen. Auf der Elbe verteilte der
1.Steuermann dann den jedem Besatzungsmitglied als Deputat
zustehenden „Korb“ Fisch. Auf den Fischdampfern wurde die
Ladekapazität nicht nach „Tonnen“, sondern nach „Korb“
gerechnet. Sofort nach dem Festmachen erschienen gewisse
Fischaufkäufer, um der Besatzung ihr Deputat abzukaufen. Man
bekam damals für seinen „Korb“ etwa 30,- DM. Einige Leute
nahmen ihren Fisch auch mit nach Hause. Am besten war es immer,
wenn der Dampfer erst nach 19 Uhr einlief. Mit dem
Verkaufserlös des Deputats gingen die Männer dann meistens
gleich zum zehn Minuten entfernten St. Pauli. Damals lagen die
Fischereifahrzeuge in der Regel zwei Tage lang bis zum nächsten
Auslaufen in Altona. So lange hatten die Besatzungsmitglieder
bis auf einige wenige Ausnahmen Landgang. Nach dem Einlaufen
war die ganze erste Nacht lang an Bord „der Teufel los“: Die
Ladung wurde sofort gelöscht. Am nächsten Morgen fand dann in
der Halle die Fischauktion statt und wir konnten uns in der
Zahlstelle im Hafen einen Abschlag von unserem Fanganteil
auszahlen lassen. Was sich dann auf der Zahlstelle zutrug,
wäre ein besonderes Kapitel wert. Als Koch hatte ich an diesen
zwei Tagen als einziger von der Besatzung nicht ganz frei, denn
ich mußte die Schiffshändler aufsuchen, um für die nächste
Reise Proviant zu bestellen. Das war gar nicht so einfach, denn
es wurde scharf gerechnet. Der Dampfer mußte außer Proviant
auch noch Eis für den Fisch laden. Mein Kühlraum wurde
während der dreiwöchigen Reise mit Eis gekühlt. Es war
tatsächlich noch ein alter Kohlendampfer mit Heizern und
Trimmern! Mir kam das später bei den Kollegen zugute, weil
keiner vom „Pferd“ erzählen konnte. Für mich als
„Neuer“ war das sowieso anstrengend, aber die Händler
unterstützten mich tatkräftig. Für die Matrosen war ich
wegen meines jugendlichen Alters quasi das Maskottchen. Ich
mußte immer mit in die Nuttenkneipen. Von diesen Lokalen, in
die sie mich schleppten, existiert heute noch unverändert der
„Silbersack“. Er erinnert mich immer wieder an die guten
alten, unwiderruflich vergangenen Seefahrtzeiten.
In den Jahren 1959/60 fuhr ich 13 Monate an
einem Stück mit 15 Mann Besatzung auf dem damals größten
deutschen Handelsschiff, dem 33.000-Tonnen-Tanker
"Bergeland" . Der Kasten hatte noch keine
Klimaanlage. Was das bei Fahrten via Suezkanal in den
Persischen Golf bedeutete, weiß nur, wer das selber erlebt
hat! Wir fuhren mit dem Schiff aber auch zwischen den USA und Kolumbien hin und her. Der
Ladungshafen hieß Covenas. Es war allerdings gar kein
richtiger Hafen. Wir lagen immer auf Reede vor Anker. Zum
Laden wurde eine Pipeline aus dem Wasser gehievt, an unsere Rohre
angeschlossen und dann wurde das Rohöl in unsere Tanks
gepumpt. Das benötigte zu unserem Glück viel Zeit und so
kamen wir abends auf jeden Fall zum Landgang. Der Kapitän bestellte eine
Barkasse, mit der wir an Land fuhren. Dort wartete bereits ein
Trupp von Pferden auf uns, die uns auf Trampelpfaden durch den
Busch ins nächste Dorf brachten, wo bereits viele junge Frauen
auf uns warteten. In einem Hof waren Bänke und Stühle
aufgestellt, darüber leuchteten bunte Glühbirnen. Aus einem
Grammophon ertönte südamerikanische Musik. Ringsherum waren
viele kleine Räumlichkeiten, wohin man ab und zu mit seiner
"Schönen" verschwinden konnte! Wir mussten leider
immer um Mitternacht zurück an Bord. Man kann sich vorstellen,
wie sich der Heimritt durch stockdunkle Nacht in mehr oder
weniger angetrunkenem Zustand auf den Gäulern gestaltete.
Zum Glück kannten die Pferde den Weg besser als wir und brachten
uns sicher ans Ziel. Es waren auch immer einheimische
Organisatoren dabei. Gerade in Mittel- und Südamerika konnte
man ähnliche Begebenheiten erleben.
In Emden wurden wir abgelöst und fuhren mit
dem Bus nach Hamburg, wo wir nachts
ankamen. Unser "Leithammel" meinte, jetzt habe es
noch keinen Zweck, sich ein Zimmer im Seemannsheim zu besorgen.
Also fuhren wir zur Reeperbahn. Dort sind wir dann in einer
Kneipe bei hübschen Mädchen hängengeblieben. In den Jahren
1957 bis 1960 schwirrten in St. Pauli sehr viele Mädchen herum,
die von zu Hause oder aus Erziehungsheimen weggelaufen waren.
Man konnte mit diesen Mädchen einen ganzen Urlaub verbringen
oder, wenn ich gewollt hätte, auch leicht eine Frau zum heiraten
finden, aber das nur, wenn Schröder nicht Schröder gewesen
wäre. Mit 21 Jahren dachte ich noch nicht, wie andere meiner
Altersgenossen damals, ans Heiraten.
In den 1960er und 70er Jahren verbrachte ich
meinen sogenannten "Urlaub" nach dem Abmustern fast
immer in Hamburg auf St.Pauli. Ich war beiweitem
nicht der einzige Seemann, der das tat. Nicht umsonst gab es
auf der Reeperbahn und den Nebenstraßen so viele
Seemannskneipen, die man auch als Nuttenkneipen bezeichnen
könnte. Heute hat sich das gewandelt. Die Frauen stehen
jetzt entweder auf der Straße oder sitzen im Bordell. Wenn der
Seemann auf dem "Kietz" sein Geld einigermaßen
einteilte, konnte er dort längere Zeit seinen "Urlaub"
verleben. Viele Kollegen wohnten nicht in den Seemannsheimen,
sondern in den Absteigen. Das sind kleine Hotels auf dem
"Kietz". Man lernte dort an der Bar schnell eine
junge Frau kennen, die froh war, zur fortgeschrittener Stunde
einen Mann zu finden, der gleich im Hause ein Zimmer hatte.
Mancher Seemann hatte auf St. Pauli eine feste
"Freundin", die nach seiner Abmusterung nur für ihn da
war. Es gab auch "Bräute", die fuhren ihrem Seemann
nach, wenn das Schiff statt nach Hamburg, nach Bremen, Emden oder
Rotterdam kam.
Wir fuhren in Charter für die
Ost-Afrika-Linie. Der erste Hafen lag meistens in
Süd-West-Afrika. Es folgten dann fast alle Häfen längs der
Küsten von Süd- und Ost-Afrika. Zurück ging es durch den
Suezkanal und das Mittelmeer. Besonders begehrt war bei den
Leuten Laurenco Marques in Mocambique (damals noch
portugiesische Kolonie). Anfang 1964 kamen wir von großer
Fahrt zurück und ich ging mit zwei Kumpels, die ihre
"Bräute" in der "Dakota-Bar" hatten. Diese
Bräute waren auch gerade anwesend, was nicht immer auf Anhieb
der Fall war. Nach einem Begrüßungs-Umtrunk ging es dann ab
an Bord, denn morgens begann wieder ein harter Arbeitstag. Wir
wollten aber vorher noch den "Hormonspiegel" abbauen.
Die Liegezeiten waren damals noch erheblich länger als heute,
denn es gab noch keine oder noch ganz wenige Container. Nach
einigen Tagen hatten wir natürlich wieder Lust, an Land zu
gehen, um einen zu trinken. Die Frauen hatten aber keinen Bock
darauf und sagten, wir sollten alleine gehen, denn sie wollten
sich mal wieder richtig erholen. Was gibt es schöneres für
einen in seiner Hafenkneipe sitzenden Seemann, wenn er weiß,
dass er an Bord gleich zu seiner Braut in seine warme Koje
kriechen kann. Zu dumm nur, dass der Boss der Kneipe damit gar
nicht einverstanden war, dass seine drei Starfrauen nicht bei
uns waren, denn diese sehr gut aussehenden "Damen"
waren bei sehr vielen Seeleuten und auch bei Landratten gut
bekannt. Die Kundschaft vermisste sie und ging ein Haus
weiter. Man braucht gar nicht denken, dass schon alle Leute mit
diesen Puppen zusammen in der Koje waren, nein, es waren einfach
gute Bekannte. Es kam auch vor, was auch ich zum Glück
mehrmals erlebt habe, daß, wenn man einmal schlecht bei Kasse
war und noch kein neues Schiff hatte, eben diese Frauen einem mit
etwas Geld aushalfen. Später wurde es selbstverständlich
zurückgezahlt. Das kam, nebenbei bemerkt, sehr oft in den
Häfen der Länder vor, die wir zur "dritten Welt"
zählen.
Einmal besuchte ich eine Bekannte, die in einem
Striplokal an der Bar arbeitete. Das Lokal machte am frühen
Morgen dicht. Ich war todmüde, hatte aber noch keine Bleibe.
Da sagte meine Bekannte: "Du kannst bei meiner Freundin, der
Stripperin, in deren Wohnung übernachten, aber lass sie in Ruhe,
sonst schmeißt sie dich gleich raus!" Man stelle sich mal
vor: Du hast nach monatelanger Seefahrt eine junge Frau die ganze
Nacht splitternackt tanzen gesehen, bist bei ihr zu Hause und
nichts....!
Bei fast allen Seeleuten waren die Reisen zu
den Karibischen Inseln und Westindien, sowie Mittelamerika am
beliebtesten. Auf der Hitliste standen Trinidad, Barbados,
Dominikanische Republik mit Santo Domingo, Jamaica und vor Fidel
Castros Ära natürlich Kuba! Auf der mittelamerikanischen
Landbrücke waren alle Länder gefragt: Panama, Costa Rica, Nicaragua,
Honduras, El Salvador und Guatemala.
In den 1960er und 70er Jahren war das Leben dort noch
spottbillig. Was konnte man da noch für 10 bis 20 Dollar
bekommen?! Man hatte in diesen Ländern nie das Gefühl, mit
einer Prostituierten zu gehen. Das zählt auch für Mexico und
die südamerikanischen Länder, ebenso für Südostasien. Die
"Damen" sind dort besonders temperamentvoll. Fast
immer war bei den Frauen eine gewisse Sympathie uns Seeleuten
gegenüber im Spiel. Das Geld, das sie von uns erhielten,
spielte nicht die Hauptrolle. Oft entwickelte sich aus den
flüchtigen Begegnungen richtige Liebe. Wenn das Schiff
auslief, standen die Mädchen oft mit Abschiedstränen an der
Pier. Die in ihrer Gesellschaft erlebten Begebenheiten
gehörten zur Seefahrt. An den alten Seemannsschnulzen ist sehr
viel Wahres dran. Aus den schönen alten Zeiten stammt auch der
Begriff "achtern raus segeln", wenn man wegen seiner
Braut das Schiff verpasst, was ich auch selbst einmal miterlebt
habe. Das wurde immer zum teuren Spaß, wenn man
Hotelunterkunft und Flugticket bis zum nächsten Hafen selber
zahlen musste. Nicht selten sorgten die Mädchen bewusst
dafür, dass Hein Seemann sein Schiff verpasste. Diese Frauen
hatten oft einen heißen Draht und wussten genau, wann das Schiff
auslief.
Was
ich über das Verhältnis der Seeleute zu Frauen berichte, trifft
natürlich nur für ledige Seeleute zu. Die Ehemänner waren
immer treu und gingen mit einem Heiligenschein überm Kopf in den
Hafenstädten nur spazieren. Was denn sonst?
Ich war fast elf Jahre lang für Orion, Reith
& Co. tätig. Darüber waren viele meiner Kollegen erstaunt
und ich mußte mir manchmal böse Beleidigungen anhören.
Natürlich war bei Orion nicht alles rosig, besonders in puncto
Ausrüstung und Geldüberweisungen, aber ich habe in meiner
„Orion-Zeit“ noch die „echte“ Seefahrt kennen gelernt,
zumal ich fast immer auf „wilder Fahrt“ war. Über eine
Reise in den frühen siebziger Jahren möchte ich berichten, weil
da gleich mehrere ernsthafte, aber auch amüsante Geschichten
passierten. Das Schiff war in Puerto Plata in der
Dominikanischen Republik fertig gelöscht, und der Kapitän
hatte noch keine neue Order. Der Agent, der wusste, dass wir
von der Besatzung alle unsere Bräute im Hafen hatten, bot dem
Kapitän weiteres kostenloses Warten in diesem Hafen an. Aber
so etwas kam für unseren Kapitän nicht in Betracht, also:
Leinen los und bei den Bahamas vor Anker! Jetzt begann meine
typische Orion-Koch-Story: Der Kapitän kam später zu mir in
die Kombüse und fragte mich, ob ich noch bis New York, wo wir
Ladung nehmen sollten, mit dem Proviant auskommen würde. Ich
entgegnete, ich würde das wohl, wie gewohnt, hinkriegen. Als
wir dann schon stundenlang auf Fahrt waren, erfuhr ich, dass die
neue Order nach Brasilien zur Amazonasmündung
lautete. Dort werden alle Schiffe, die flussaufwärts gehen,
auf Belem-Reede einklariert. Mit den Behördenvertretern kam
auch ein Boot mit genau 18 Mädchen. Der Käptn sah das alles
von seinem Salonfenster aus und gab dem 1. Offizier sofort die
Order, die Mädchen zu zählen, damit keine an Bord verblieb.
Ein Matrose war aber schneller und hatte sich sofort eine der
Frauen „ausgeschaut“ und mit ihr auf Nimmerwiedersehen unter
Deck verschwunden. Ich wurde natürlich zwecks Verpflegung
eingeweiht. Für diese Reise hatten wir zwei Lotsen und einen
Supercargo mit. Als wir dann später wieder mit Vollschiff
nach Belem-Reede zurückkamen, musste - wie der Teufel es will -
der Alte wieder zum Deck herunterschauen. Und wen sieht er da
mit den anderen Brasilianern von Bord gehen, natürlich diese
überzählige junge Schöne. Daraufhin schimpfte er wie ein
Rohrspatz auf die doch so frechen Einheimischen.
Auf dieser
Reise bemerkte ich, dass mir langsam das Brot ausging. Ich
hatte wohl noch Mehl, jedoch kaum noch Hefe. Der Zufall wollte
es, dass wir bei einem kleinen Urwald-Hüttendorf lagen, um die
weltbekannten Edelhölzer an Bord zu nehmen. Früh morgens ging
ich sorgenvoll an Deck hin und her und beobachtete von oben, dass
unten zwischen den Häuschen offenbar eine Bäckerei war. Ich
ging sofort zu unserem von den Kapverden stammenden Matrosen
Vicente und machte ihn darauf aufmerksam. Er mit seiner
portugiesischen Muttersprache und gleicher Hautfarbe sorgte im
Handumdrehen dafür, dass ich mit dem mir verbliebenen restlichen
brasilianischen Geld schnellstens den Brotvorrat auffüllen
konnte. Später stellte sich heraus, dass das nur ein Brotdepot
für den täglichen Bedarf des Dorfes war. Das tat mir
natürlich schrecklich leid. Einige Tage später waren wir wieder
bei so einem kleinen Hüttendorf. Abends ging ich mit einigen
anderen Seeleuten an Land, um mal wieder ordentlich einen zur
Brust zu nehmen. Das taten wir dann auch reichlich, und als ich
mal wieder mit meinem „dicken Kopf“ vor der Kneipentür
stand, bemerkte ich ein paar kleine schwarze Schweine, die da
herumrannten. Schon erinnerte ich mich daran, dass ich fast
kein Fleisch mehr an Bord hatte. Schnell kam ich mit dem Wirt,
dem die netten Tierchen gehörten, ins Geschäft. Ich konnte es
von meinen restlichen Dollars bezahlen. Er brachte mir eines
ausgeschlachtet an Bord. So konnte ich davon einen gut
gewürzten kräftigen Gulasch und einige kraftvolle Saucen
machen, denn für etwas anderes war das Fleisch nicht zu
gebrauchen.
Wer von den Hamburg-Touristen oder den
verbliebenen wenigen jüngeren Seeleuten weiß heute noch, dass
dort, wo jetzt am Hamburger Hafen hoch über den
Landungsbrücken das moderne Hotel „Hafen Hamburg“ prangt,
sich noch der alte Bau des Hamburger Seemannshauses befindet, von
den Seeleuten das „weiße Haus“ genannt, in dem sich
jahrzehntelang der „Heuerstall“ für die „große Fahrt“
befand. Darin residierte der Heuerbaas „Max“, der Inbegriff
der Heuervermittlung für die Mannschaftsdienstgrade ganzer
Seemannsgenerationen. Auch die „kleine Heuerstelle“ in der
Großen Elbstraße für die Küstenfahrt und die
Fischerei-Heuerstelle am Fischmarkt waren für uns wichtig. Wie
hilfreich war es für viele „abgebrannte“ Seeleute damals,
dass vor der Tür der Heuerstelle oft ein Händler für
Seemannsklamotten stand, bei dem sie, wenn sie glücklich mit
einem Heuerschein herauskamen, mit diesem Händler mitfahren und
erst einmal „auf Kreide“ auf Grund des Heuerscheines
einkaufen konnten. Aber wir haben uns damals nicht nur auf Max
und seinen Heuerstall verlassen, sondern haben die
Reedereikontore abgeklappert. Nur ein Teil der Reedereien
residierten um den Baumwall, Vorsetzen, Cremon und die
Mattentwiete herum. Oft musste man erhebliche Strecken zu Fuß
oder mit der Hochbahn zurücklegen. Zwar kam man sich dabei oft
wie ein Bettler vor, aber ein guter Personalchef wusste durchaus
die Eigeninitiative bei der Jobsuche zu würdigen. Die beiden
Kneipen im „weißen Haus“ waren, soweit man noch „Mäuse“
hatte, beliebter Seemannstreff. Als ich mal wieder bei „Orion“
vorbeischaute, wollte mir das Personalbüro eine Freude bereiten
und mich damit überraschen, mir den Job als Koch im Yachtclub in
Travemünde anzubieten. Man war dann entsetzt, als ich diesen
aus deren Sicht lukrativen Landjob ablehnte, und lieber weiterhin
den nervenaufreibenden Einsatz auf ihren Schiffen wollte. Ich
war nun mal 35 Jahre lang mit Leib und Seele Seemann." Günter wohnte zwischen Anfang 1961 und 1984
fünfmal im Seemannsheim am Krayenkamp in
Hamburg.
„Das alles gehört heute der Vergangenheit
an. Es ist Schluss mit der echten alten romantischen
Seefahrt!" Seit 1995 ist er Rentner und lebt in Trier. Er unternimmt im Sommerhalbjahr monatelange Radtouren durch die Gegend.
Im Frühjahr und Sommer 1996 legte er mit seinem Drahtesel mit
über 100 kg Gepäck „an Bord“ eine Europarundtour zurück:
Seine Reise führte ihn von Trier über den Pfälzer Wald,
Straßburg und das Elsass nach Freiburg. Von dort aus ging es in
die Schweiz nach Basel und dann quer durch Frankreich bis nach
Séte am Mittelmeer. Von nun an radelte Schröder die Küste
entlang. Auf diese Weise umrundete er die Iberische Halbinsel
mit Spanien und Portugal. Gibraltar, das er bislang nur von See
her kannte, wollte er sich einmal von Land aus ansehen. Auf der Atlantikseite kehrte Schröder über
Biaritz und Lourdes auf Zwischenstationen, wie Metz und
Luxembourg nach Trier zurück. Anschließend radelte er nach
Polen, wo er in Hinterpommern Verwandte
besuchte. „Ich habe in diesem Jahr auf 77 europäischen
Campingplätzen geschlafen.“ Im Frühjahr 1998 unternahm
Günter Schröder wieder eine große Tour und radelte von Trier
aus über Frankreich und durch Italien bis Brindisi, setze dort
mit der Fähre nach Griechenland über und wollte in Piräus die
Station der Deutschen Seemannsmission besuchen.
Seine Enttäuschung war groß, dass ihm das Haus verschlossen
blieb und er dort den ihm bekannten langjährigen Stationsleiter,
Diakon Walter Bott, nicht mehr antraf, dem er mehrfach von Bord
aus begegnet war.
zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters:  | Motiv vom Eisbrecher "STETTIN", von dem Kurt Krüger im Buch berichtet | Der Webmaster auf dem Jugendsegler "FRIDJOF NANSEN" |  | zur gelben Zeitzeugen-Bücher-Reihe des Webmasters: © Jürgen Ruszkowski
zu meiner maritimen Bücher-Seite Weitere Informationen zu den Büchern finden Sie hier: navigare necesse est! Diese Bücher können Sie für je 12 € direkt bei mir gegen Rechnung bestellen: Kontakt: Zahlung nach Erhalt der der Ware per Überweisung.  Bücher in der gelben Buchreihe" Zeitzeugen des Alltags" von Jürgen Ruszkowski: Seemannsschicksale Band 1 - Band 1 - Band 1 - Band 1 Begegnungen im Seemannsheim ca. 60 Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten aus aller Welt  Bestellung | Seemannsschicksale Band 2 - Band 2 - Band 2  Lebensläufe und Erlebnisberichte  Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten, als Rentner-Hobby aufgezeichnet bzw. gesammelt und herausgegeben von Jürgen Ruszkowski Bestellungen | Seemannsschicksale Band 3 - Band_3  Lebensläufe und Erlebnisberichte  Lebensläufe und Erlebnisberichte von Fahrensleuten Bestellungen | Band 4 - Edition 2004 - Band 4 Seemannsschicksale unter Segeln  Die Seefahrt unserer Urgroßväter im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts neu überarbeitet! Bestellungen | Band 5 - Band 5  Capt. E. Feith's Memoiren:  Ein Leben auf See amüsant und spannend wird über das Leben an Bord vom Moses bis zum Matrosen vor dem Mast in den 1950/60er Jahren, als Nautiker hinter dem Mast in den 1970/90er Jahren berichtet Bestellungen | Ich hoffe noch auf einen weiteren Band von Capt. E. Feith : Band 6 ist in Arbeit: Seemannsschicksale Band 6 in der gelben Buchreihe "Zeitzeugen des Alltags" Master next God | Band 7 in der Reihe Seemannsschicksale: Dirk Dietrich: Auf See ISBN 3-9808105-4-2 Dietrich's Verlag Band 7 = 12,80 € Bestellungen | Band 8: Maritta & Peter Noak auf Schiffen der DSR ISBN 3-937413-04-9 Dietrich's Verlag Bestellungen | Band 9 - Band 9 Die abenteuerliche Karriere eines einfachen Seemannes  Endstation Tokyo Bestellungen | Band 10 - Band 10 Autobiographie des Webmasters  Rückblicke: 27 Jahre Himmelslotse im Seemannsheim - ganz persönliche Erinnerungen an das Werden und Wirken eines Diakons  Bestellungen | Band 11 -- Band 11  Genossen der Barmherzigkeit  Diakone des Rauhen Hauses Diakonenportraits Bestellungen | Band 12 - Band 12  Autobiographie: Diakon Karlheinz Franke  Bestellungen | Band 13 - Band 13 Autobiographie: Diakon Hugo Wietholz  Bestellungen | Band 14 - Band 14 Conrad H. v. Sengbusch Jahrgang '36 Werft, Schiffe, Seeleute, Funkbuden  Jugend in den "goldenen 1959er Jahren"  Lehre als Schiffselektriker in Cuxhaven Bestellungen | Band 15 - Band 15 Wir zahlten für Hitlers Hybris  mit Zeitzeugenberichten aus 1945 über Bombenkrieg, Flucht, Vertreibung, Zwangsarbeit und Gefangenschaft. Ixlibris-Rezension Bestellungen | Band 16 Lothar Stephan  Ein bewegtes Leben - in den Diensten der DDR - - zuletzt als Oberst der NVA ISBN 3-9808105-8-5 Dietrich's-Verlag 8,90 € Bestellungen | Band 17 - Band 17 Als Schiffskoch weltweit unterwegs  Schiffskoch Ernst Richter Bestellungen | Band 18 - Band 18 Seemannsschicksale aus Emden und Ostfriesland  und Fortsetzung Schiffskoch Ernst Richter auf Schleppern Bestellungen | Band 19 - Band 19 ein Seemannsschicksal: Uwe Heins  Das bunte Leben eines einfachen Seemanns  Bestellungen | Band 20 - Band 20 ein Seemannsschicksal im 2. Weltkrieg  Kurt Krüger  Matrose im 2. Weltkrieg Soldat an der Front Bestellungen | Band 21 - Band 21 Ein Seemannsschicksal: Gregor Schock  Der harte Weg zum Schiffsingenieur  Beginn als Reiniger auf SS "RIO MACAREO" Bestellungen | Band 22 - Band 22 Weltweite Reisen eines früheren Seemanns als Passagier auf Fähren, Frachtschiffen und Oldtimern  Anregungen und Tipps für maritime Reisefans  Bestellungen | Band 23 - Band 23 Ein Seemannsschicksal: Jochen Müller  Geschichten aus der Backskiste Ein ehemaliger DSR-Seemann erinnert sich Bestellungen | Band 24 - Band 24 Ein Seemannsschicksal: Der maritime Liedermacher (seine Lieder-CD kann bestellt werden) Mario Covi: -1-  Traumtripps und Rattendampfer  Ein Schiffsfunker erzählt über das Leben auf See und im Hafen Bestellungen | Band 25 - Band 25 Ein Seemannsschicksal: Der maritime Liedermacher (seine Lieder-CD kann bestellt werden) Mario Covi: -2-  Landgangsfieber und grobe See  Ein Schiffsfunker erzählt über das Leben auf See und im Hafen Bestellungen | Band 26 - Band 26 Monica Maria Mieck:  Liebe findet immer einen Weg  Mutmachgeschichten für heute Besinnliche Kurzgeschichten auch zum Vorlesen Bestellungen | Band 27 - Band 27 Monica Maria Mieck:  Verschenke kleine Sonnenstrahlen  Heitere und besinnliche Kurzgeschichten auch zum Vorlesen Bestellungen- Band 30 | Band 28 - Band 28 Monica Maria Mieck:  Durch alle Nebel hindurch  erweiterte Neuauflage Texte der Hoffnung besinnliche Kurzgeschichten und lyrische Texte ISBN 978-3-00-019762-8 Bestellungen | Band 29 - Band 29  Logbuch einer Ausbildungsreise und andere Seemannsschicksale  Seefahrerportraits und Erlebnisberichte ISBN 978-3-00-019471-9 Bestellungen | Band 30 - Band 30 Günter Elsässer  Schiffe, Häfen, Mädchen Seefahrt vor 50 Jahren Bestellungen | Band 31 - Band 31  Thomas Illés d.Ä. 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Schifffahrtsbuchhandlung Wolfgang Fuchs, Rödingsmarkt 29, 20459 Hamburg, Tel: 3193542, www.hafenfuchs.de Ansonsten auch bei Buchhandlungen in der Regel nur über mich bestellbar Ich sammle weitere maritime Lebensläufe und Erlebnisberichte. - Wer erzählt mir noch aus seinem Seemannsleben? - Kontakt Leserreaktionen Seemannssprache http://www.zeitzeugenbuch.klack.org http://www.zeitzeugenbuch.klack.org Da
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