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Aus Band 1
der gelben maritinen Zeitzeugen-Buchreihe
"Seemannsschicksale"
direkt zu bestellen:

Die
tragischsten menschlichen Schicksale, die dem Heimleiter
während seiner über 22jährigen Seemannsheim-Praxis begegneten, sind die von Geisteskranken. Diese
entsetzlichen und furchterregenden Krankheiten können bei
Menschen aller Rassen und Kulturen ausbrechen.
Jahrelang
hatte der aus Österreich stammende Deckschreiner A. während
seiner Hamburgaufenthalte friedfertig im Seemannsheim
gewohnt. Anfang Februar 1979 zog er erneut ins Seemannsheim
ein und berichtete dem Heimleiter, er sei geisteskrank. Man
habe ihn, von Brasilien kommend, in Frankfurt/M. aus dem Flugzeug
geholt und in die Psychiatrie gesperrt. Er machte bei seinem
Einzug noch einen ganz vernünftigen Eindruck. Vier Tage
später kam er am Abend mit irrem Blick und einem aggressiven Ton
auf den Leiter des Seemannsheimes zu: „Ich brauche gleich 100,-
DM. Geben Sie mir das Geld sofort, sonst passiert was! - Ihre
Frau muss mir heute noch einen Kuchen backen. - Die „Wappen von
Hamburg“ wird heute Nacht untergehen.“ Mit Mühe und Not
gelang es dem Heimleiter, ihn wieder aus dem Büro zu drängen.
Als der gerade die Polizei anrufen wollte, klirrte es und A. kam
durch die zerschlagene Bürotürscheibe auf ihn zugestürzt. Er
konnte ihn sich nur mit Hilfe eines Stuhles vom Leibe halten, bis
zwei Seeleute von draußen zu Hilfe kamen und kurz darauf die
Polizei eintraf. Man brachte A. in das Psychiatrische
Krankenhaus, wo er zwei Tage später wieder entlief.
Mehrfach
haben psychisch gestörte Heimbewohner das Inventar (Stühle,
Tische, Fernseher, Spiegel) ihres Zimmers durch das geschlossene
Fenster geworfen. Mitten in der Nacht klirrte und krachte es,
und die Trümmer landeten im Hof oder auf der Straße, auf vor
dem Hause geparkten Autos.
Ein
unter Schizophrenie leidender Gast riss einmal sämtliche
Steckdosen und Lampen aus Wand und Decke, bzw. er verklebte die
Elektroanschlüsse, türmte alle Möbel vor der Zimmertür
übereinander und schloss sich ein. Als seine Kollegen, die mit
ihm den Raum teilten, ins Zimmer wollten, mußte die Tür unter
Polizeischutz aufgebrochen werden. Der Kranke saß
eingeschüchtert auf der Bettkante und äußerte seine Angst vor
„der Elektrizität“.
Meistens
zeigen solche psychisch gestörten Menschen leider keinerlei
Krankheitsbewusstsein oder Einsicht in ihr unnormales Verhalten.
Es gelingt selten, sie davon zu überzeugen, daß sie
fachärztliche Hilfe brauchen. Amtsärzte und Polizei greifen
immer erst ein, wenn schon etwas passiert ist, wenn die Kranken
sich selbst ernsthaft gefährden, oder anderen erheblichen
Schaden zugefügt haben.
Es
geschah an einem Sommertag im August 1991: Von seinem Büro aus
vernahm der Heimleiter im Seemannsheim
unnatürlich schrille Schreie auf der Straße Krayenkamp. Als
er aus dem Fenster sah, erblickte er einen splitternackten
Afrikaner, den seit Jahren im Hause bekannten und nie unangenehm
aufgefallenen 36jährigen Maschinenwart A. aus Burkina Faso
(Obervolta), der einem halben Dutzend seiner Landsleute, die ihn
einfangen und ihm eine Hose anziehen wollten, erheblichen
Widerstand entgegenbrachte. Mit Mühe nur gelang es ihnen, den
zappelnden Mann in die Eingangshalle des Seemannsheimes zu tragen
und festzuhalten. Der Heimleiter, der sofort auf
Geisteskrankheit tippte, hatte umgehend telefonisch Polizei und
Krankenwagen herbeigerufen. Man schnallte den Kranken auf eine
Bahre und brachte ihn ins Hafenkrankenhaus.
Der
weitere tragische Verlauf war dann nur noch in Radiomeldungen und
Zeitungsschlagzeilen zu verfolgen: „Er flüchtete aus dem
Hafenkrankenhaus. Amoklauf auf der Reeperbahn. Nackter
Afrikaner stach wahllos Passanten nieder. 10jährige in
Lebensgefahr.“
Das
„Hamburger Abendblatt“ berichtete: „Ein Amokläufer hat am
Sonntag im Hamburger Stadtteil St. Pauli sieben Gäste des
Restaurants „Pfeffermühle“ und sich selbst mit einem Messer
zum Teil schwer verletzt. Ein zehn Jahre altes Mädchen, ein
15jähriger Junge und er selbst schweben noch in Lebensgefahr. Nach
Angaben der Polizei war der 36jährige Schwarzafrikaner am
Sonntag morgen ins Hafenkrankenhaus eingeliefert worden. Gegen
14 Uhr hatte er eine Krankenschwester niedergeschlagen und war
dann nackt auf die Straße geflüchtet. Dort war alles ganz
schnell gegangen. Wenige Minuten zuvor hatte Ilona H, ihre
zehnjährige Tochter Magdalene noch im Arm gehalten. Dann kam
A. aus dem Lokal am Millerntorplatz und stürzte mit einem 20
Zentimeter langen Messer auf die Mutter und ihre Tochter zu. Er
stieß die Klinge zweimal in den Brustkorb des Mädchens und
verletzte ihre Lunge. Ilona H., die 35 Jahre alte Mutter des
Mädchens, schrie auf. Sie konnte die Stiche nicht abwehren: Der
Amokläufer stach auch auf sie ein. Magdalene brach zusammen
und blieb liegen, bis der Notarzt kam. Auch der 15 Jahre alte
Schüler Ren‚ Ch. wurde lebensgefährlich durch Stiche
verletzt. „Ich schrie den Mann an, er solle das Messer fallen
lassen. Doch der Schwarze ist durchgedreht und hat auf nichts
reagiert. Auf der Straße stieß er sich sechsmal das Messer in
den Bauch und stürzte zu Boden.“ Polizeimeister Hartmut
Junge, der als erster am Tatort Reeperbahn eintraf, kann nur
stockend erzählen, was wenige Augenblicke zuvor passiert ist. Wir
mussten ihn mit fünf Mann festhalten, damit er sich nicht selbst
hinrichtet. Erst danach haben wir die anderen Verletzten
gesehen“, so der Polizist. Gebannt sahen einige Gäste, die
eben noch ruhig im Schatten der Sonnenschirme Eis löffelten oder
Kaffee tranken, zu. Oder sie liefen weg, wie Peter Wnuck. Der
30jährige: „Du glaubst gar nicht, wie du in solch einer
Situation rennst. Mich hat er zum Glück nicht getroffen.“ Je
fünf Rettungs- und fünf Notarztwagen rasten zum Einsatzort. Sie
versorgten die acht Verletzten, sechs von ihnen mussten ins
Krankenhaus eingeliefert werden.
Die
Eindrücke, die sich bei den Augenzeugen eingeprägt haben,
werden so schnell nicht auszulöschen sein.“
A.
wurde unter starker Polizeibewachung auf der Intensivstation des
Hafenkrankenhauses wieder körperlich gesundgepflegt. Wegen
seines psychischen Leidens musste er anschließend in ein
geschlossenes Haus des Psychiatrischen Krankenhauses Ochsenzoll
eingewiesen werden. Über ein Jahr später verfügte die Große
Strafkammer beim Landgericht Hamburg seine unbefristete
Unterbringung in der Psychiatrie.
Blutend wankte er
zur Wache
Unter dieser Überschrift
meldete die Zeitung:
Ein
blutüberströmter Mann wankte gestern Mittag in die (damalie) Revierwache
13 an der Martin Luther-Straße. „Messer, Messer...“
stammelte er, dann brach er zusammen. Der nur mit einer
Badehose bekleidete Verletzte wurde sofort ins Hafenkrankenhaus
gebracht. Die Ärzte stellten eine 30 Zentimeter lange
Schnittwunde am Bauch, Messerstiche an der Kehle und am linken
Unterarm fest.
Die
Ermittlungen der Mordkommission ergaben bis Redaktionsschluss,
dass es sich bei dem Verletzten um den 34 Jahre alten Seemann
Günther L. handelt. Er war gestern Nachmittag aus seinem
Zimmer im Seemannsheim
am Krayenkamp in
der Neustadt getaumelt und trotz seiner Verletzungen noch bis zur
Revierwache 13 gelaufen.
„Wir
sehen noch nicht klar“, sagte ein Beamter der Mordkommission.
„Er kann sich die Verletzungen auch selbst beigebracht
haben.“
Das
war ein aufregender Sonntag im Seemannsheim. Vor dem Hause
standen sechs blau blinkende Peterwagen. Eingangshalle und
Flure voller Polizisten. Niemand durfte hinaus und herein. Der
„Mörder“ wurde gesucht. Der Pförtner berichtet: „Da
ist jemand mit klaffendem Bauch und heraushängenden Eingeweiden
fast nackt und blutüberströmt von oben die Treppe
heruntergekommen, hat vor der Rezeption kurz verharrt und ist
dann wortlos aus dem Hause auf die Straße gelaufen.“ Eine
Passantin, die ihn sah, fiel in Ohnmacht.
Nach
stundenlanger Spuren- und Tätersuche und Fahndung nach dem
verreisten Zimmernachbarn stellte sich heraus: Der fast
„Ermordete“ hatte sich selber vor dem Spiegel mit einer
zerschlagenen Bierflasche den Bauch aufgeritzt. Man hat ihn auf
der Intensivstation des Hafenkrankenhauses wieder zurechtgeflickt
und durchgebracht. - Was es alles gibt?!
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